Die ersten Hürden

Kaum zu fassen! Wir haben unsere erste Saison überlebt!

Ich weiß noch wie wir im Mai 2015 den Entschluss fassten uns für den offiziellen Ligabetrieb des BFV anzumelden. Damals hatten wir noch keinen einzigen Spielerinnenpass beantragt. Wir hatten nicht einmal Passbilder. Geschweige denn Fußballschuhe. Wir haben seit einigen Monaten auf dem Dach der Metro trainiert. Wir waren wenige. Eine Hand voll Frauen. Aber wir wollten spielen!

In wenigen Wochen haben wir alle Unterlagen eingereicht um 9 Pässe zu beantragen. Was wahrlich nicht einfach war, zumal es große Hürden beim BFV für ausländische Spielerinnen gibt. Unsere Passfotos machten wir schnell am Kotti.

Mit diesem Team ist alles möglich

Und die Trikots? Ich weiß noch, wie wir in einer kleinen Runde, einen Pappbecher vor uns hinkickend, am Heinrichplatz entlangliefen und eine von uns fragte: “Was für Trikots wollen wir kaufen?” Und eine andere sagte:” Wir können die Großkonzerne nicht unterstützen! Wir nähen selbst!” Eine Snapsidee. Die erste Snapsidee, die Wirklichkeit wurde. Das war im Juni 2015. Zwei Monate später hatten wir 11 selbstgenähte Trikots. Peng! wurde unser Sponsor. Mit diesem Team ist alles möglich.

Siege und Niederlagen

Unser erstes Spiel war ein Pokalspiel. Und das haben wir haushoch gewonnen. Wir dachten wir sind unbesiegbar. Doch leider waren wir einfach nur in der Überzahl.

Dann kam das zweite Spiel gegen Stern Britz. Wir dachten wohl immernoch, dass dies ein Kinderspiel wird. Auch hier waren die Gegnerinnen in der Unterzahl. Zu sechst traten sie an. 0:11 haben sie uns platt gemacht. Willkommen in der Realität.

Dann ein Hoffnungsschimmer: gegen Makkabi erzielten wir unseren ersten Punkt.

Aber da wir anfangs noch nicht so hochprofessionell (wie heute) organisiert waren, konnten wir zu unseren nächsten beiden Spielen nicht antreten. Die eine hat’s verschlafen, die andere vergessen, und schwups, fasst wären wir so schnell wie wir kamen wieder draußen gewesen. Noch einmal nicht antreten und wir wären disqualifiziert worden.

Viele Doodles und ganz viel Spaß

Uns durfte kein Fehler mehr unterlaufen. Deshalb sicherten wir uns mehrfach ab. Die doodles reichten nicht aus. Wir brauchten mehr Spielerinnen, mehr Pässe. Kein Problem für uns. Mit einer grandiosen Öffentlichkeitskampagne (siehe Poster) warben wir neue Spielerinnen.

Ganze zwei kamen wegen dem Poster. Okay es war nur eine…

Aber irgendwie schaften wir es trotzdem. Unser Kader wuchs auf heute 24 aktive Spielerinnen mit Spielerinnenpass.

“Seit ihr Hippies oder Hipster?”

Den Haufen an Sprüchen, die wir von einigen Schiris und einigen Gegnerinnen auf dem Platz zu hören bekamen, hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Nur ein Spruch will hier nicht unkommentiert bleiben.

Zu Beginn jedes Spiels begrüßen wir “den Schiri und die gegnerische Frauschaft” mit eben diesen Worten. Liebe Grüße an den Schiri der daraufhin antwortete:” Seit ca. 40 Jahren bin ich als Schiedrichter aktiv. Normalerweise habe ich immer einen Duden dabei. Deshalb weiß ich auch ganz genau, dass es das Wort Frauschaft nicht gibt.”

Lieber Schiri, hier ist der Link zum Dudeneintrag “Frauschaft”.

Die Bilanz

Ein rekordverdächtiges Torverhältnis können wir zum Abschluss der Saison vorzeigen. Und erstaunlich wenige Verletzungen: Ein verstauchtes Fußgelenk, hier und da ein Paar Zerrungen, eine kaputte Brille, eine leichte Gehirnerschütterung und zu guter letzt ein gebrochener Finger. Außerdem können wir rund dreißig Frauen vorzeigen die den Ball treffen. Einige davon sogar ins Tor. Frauen, die sich unglaublich entwickelt haben auf dem Platz, viele standen bei und das erste mal auf einem Fußballplatz. Wenn das so weitergeht – und das wird es – sehen wir uns bald in der Verbandsliga wieder.

“Na dann Prost!”

 

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