Sportplätze

Metro

Eigentlich fährt man hier nicht hin. Gut, außer man will ins Berghain, doch selbst dann biegt man vorher ab. Was soll schon warten, in einer Sackgasse in einem Friedrichshainer Industriegebiet? Selbst wenn man davorsteht, sieht man es nicht. Es ist wie so oft: Die wahre Schönheit mancher Orte liegen im Verborgenen. Zum Beispiel in einem Treppenhaus in einem Stahlkäfig, in das man zwölf Meter vertikal nach oben steigen muss. Dann erschließt sich die Magie: Erst breitet sich der Metro Fußballhimmel vor einem aus, dann ganz Ost-Berlin.

Nur wer schon einmal hier oben war, wird immer wieder hinaufblicken, wenn die S-Bahn den Ostbahnhof Richtung Warschauer Straße verlässt. Nur die Flutlichtmasten und die Fangzäune verraten, was hier oben im Herzen Berlins an der Grenze von Friedrichshain und Kreuzberg geschieht.

Woche für Woche kommen Teams des THC Franziskaner aus Kreuzberg angereist, um auf Berlins höchstem Feld zu trainieren. Unsere Erste und die Ü32 spielen und üben hier, die Frauschaft kommt zum Training vorbei.

Im Grunde genommen ist schon die Entstehung des Feldes eine, die auch zum THC-Spirit passt. Als die Metro 2006 eine Filiale bauen wollte, knüpfte eine Anwohnerinitiative den Bau an die Bedingung, ein besonderes Feld entstehen zu lassen. Alle waren begeistert, seit 2007 ist der Fußballhimmel auf der Liste der Orte „Deutschland – Land der Ideen“, was bei uns in Kreuzberg übersetzt „Let’s push things forward“ heißt. Wir teilen uns das Feld mit Blau-Weiß Friedrichshain und diversen Schulen.

Jüngste Erfolge des Feldes: Die Meisterschaft der Ersten und die Hitzeperiode 2018 überlebt zu haben. Manchmal ist der Wind dein Freund, manchmal nicht. Das Feld ist größer als viele andere Berliner Rasen, dafür aber auch schöner.  Und wer im Kabinengang vorbei an Eric Cantona aufs Feld marschiert, hinaus auf den womöglich freiheitlichsten Platz Berlins, der wird verstehen, warum wir uns hier wohlfühlen.

Lobeck

Eigentlich beginnt unsere Geschichte auf dem Lobeck einige Meter weiter. Im Waldeckpark, benannt nach dem liberalen Politiker Benedikt Waldeck, fand der THC seine erste Heimat. Nach der Vereinsgründung und den ersten Jahren des wilden Kickens auf dem Oranienplatz trug der THC seine ersten Spiele im Waldeckpark aus. Das wäre womöglich noch heute so, hätte die Truppe damals nicht das Schlüsselrecht des Platzes abgelehnt: Zu viel Verantwortung.

Es kam, wie es kommen musste: Man flog vom Platz, einige Jahre Kreuzbergtournee ohne fester Heimat außerhalb des Franzis begannen. Die Älteren erinnern sich an legendäre Spiele unter Flutlicht am Montagabend an der Lohmühle.

 2002 dann erfolgte der Umzug auf die grünste Kunstrasenfläche Berlins: dem Lobecksportplatz. Eingehüllt von einer Laufbahn haben sich hier schon einige THC-Dramen abgespielt. Es wurden regionale, nationale und internationale Freundschaften gestartet, leider ging das Bierbüdchen auf dem Weg dahin verloren.

1966 erbaut gehört der Lobeck zu Kreuzberg wie die Dresdner Straße zum Franzis. Mittlerweile spielen und trainieren unsere Zweite, unser Erste und Zweite Kleinfeld und die Ü40 hier, die Frauschaft trägt ihre Spiele im Herzen von Kreuzberg aus.

Zwischenzeitlich übernahm der THC das Training für die in der angrenzenden Halle gestrandeten Refugees, um ihnen etwas Ablenkung zu bieten. Noch heute trainieren einige der Geflüchteten in unseren Mannschaften.

Wer wie unser Präsident in der Kreuzberger Mitte wohnt, muss sich wöchentlich entscheiden, ob er am Moritzplatz direkt zum Franzis abbiegt oder nicht doch den kurzen Schwenk zum Lobeck macht, um eines der vielen THC-Spiele zu verfolgen. THC-Publikum gibt es eigentlich immer, egal wer spielt. Daran wird sich auch nichts ändern. Zu schön und zu gut liegt der Platz in unserem Kreuzberg.

Fabian Scheler